• Gesamt: Röchling steigert 2025 trotz leichten Umsatzrückgangs (–1,7 Prozent) die Ertragskraft – Restrukturierung der Automotive-Sparte und Fokussierung auf das Industriegeschäft bringen den Kunststoffverarbeiter voran.
• Automotive: Mit 1.193 Millionen Euro bei rückläufigen Umsätzen deutlich bessere operative Performance durch konsequente Konsolidierung und Kostenoptimierung.
• Industrial: Positive Entwicklung mit 1.138 Millionen Euro Umsatz (+1,4 Prozent) –Composite-Geschäft kompensiert Marktschwäche bei Thermoplasten. Unternehmensbereich forciert Investitionen in den internationalen Ausbau.
• Medical: Professionalisierung schreitet voran, allerdings bremst die angespannte wirtschaftspolitische Lage Geschäftsentwicklung.
Mannheim, 28. Mai 2026 | Die Röchling-Gruppe behauptet sich im Geschäftsjahr 2025 in einem herausfordernden Marktumfeld und steigert bei währungsbedingt leicht rückläufigen Umsätzen ihre Ertragskraft. Mit 2.547 Millionen Euro (–1,7 Prozent) erreicht der internationale Kunststoffverarbeiter nahezu das Vorjahresniveau und erfüllt die gesetzten Ziele.
„2025 war für uns ein Jahr der operativen Disziplin und strategischen Fortschritte. In China und Europa haben wir unsere Strukturen konsequent weiterentwickelt und im Industrial-Teilbereich gleichzeitig neue Wachstumsschwerpunkte gesetzt. Dass wir trotz Gegenwind ein Ertragsplus erzielen, zeigt: Unser Transformationskurs greift“, sagt Raphael Wolfram, Sprecher des Vorstands der Röchling-Gruppe.
Im Unternehmensbereich Automotive lag der Umsatz mit 1.193 Millionen Euro (–3,8 Prozent) unter Vorjahr. Gleichzeitig verbesserte sich die operative Performance deutlich. Die Integration von Röchling Precision Components sowie die Schließung des Werks im chinesischen Chengdu optimierten die Kostenstruktur nachhaltig, nachdem in den beiden Vorjahren bereits drei Standorte in Deutschland geschlossen werden mussten.
Der Unternehmensbereich Industrial entwickelt sich erneut positiv und steigerte den Umsatz auf 1.138 Millionen Euro (+1,4 Prozent). Insbesondere das Composite-Geschäft in den Branchen Stromerzeugung und -verteilung, Cryogenics sowie Transport entwickelte sich äußerst positiv. Der teilweise Preisrückgang bei Thermoplasten begrenzte zwar die Umsatzdynamik, konnte aber durch das Geschäft mit zerspanten Komponenten zusätzlich aufgefangen werden. Die Ertragsstärke blieb unverändert gut.
Röchling Medical erzielte einen Umsatz von 219 Millionen Euro (–5,5 Prozent) und befindet sich weiterhin in einer Phase der Neuausrichtung. Die schwache Auftragsdynamik sowie Strukturanpassungen und IT- und Qualitätssystem-Einführungen belasten Umsatz und Ergebnis.
Regional erwies sich Europa ohne Deutschland als klare Wachstumsregion und legte auf 703 Millionen Euro zu (+4,4 Prozent). Im Kernmarkt Deutschland sank der Umsatz auf 861 Millionen Euro (–3 Prozent). Auch die Region Asien (373 Millionen Euro; –4,9 Prozent) entwickelte sich rückläufig. Massive negative Währungskurseffekte zeigten sich verantwortlich für Einbußen in den Americas (613 Millionen Euro; –4,5 Prozent).
Die Röchling-Gruppe investierte im Geschäftsjahr 112 Millionen Euro mit Schwerpunkt Industrial und unterstreicht damit ihre Strategie. Die Zahl der Mitarbeitenden wurde im Zuge der Kapazitätsanpassungen in Automotive und Medical um 280 auf 11.401 reduziert.
Im ersten Quartal 2026 gelang dem Unternehmen mit einem Umsatz von 666 Millionen Euro bei 11.512 Mitarbeitenden ein gelungener Start in das Geschäftsjahr. Vor dem Hintergrund anhaltender wirtschaftspolitischer Spannungen rechnet das Unternehmen für das Gesamtjahr 2026 mit einem vergleichbaren Umsatzvolumen zum Vorjahr und bestätigt die gesteckten Ziele.
„Die aktuellen Herausforderungen unterstreichen, wie wirkungsvoll die Transformation der vergangenen Jahre unsere Aufstellung verändert hat. Das Wachstum der Umsätze seit 2020 um 25 Prozent zeigt klar: Wir sind heute deutlich breiter aufgestellt als noch 2020. Während Automotive weiterhin eine starke Säule bleibt, haben die Industrial- und Medical-Sparte überproportional zugelegt, auch wenn das für Medical im Einzeljahr nicht gilt. Wir entwickeln uns damit von einer starken zu einer ausgewogen starken Gruppe. Das macht uns widerstandsfähiger,“ sagt Raphael Wolfram.
Röchling Automotive: Konsolidierung trägt Früchte
Bei einer leicht rückläufigen Umsatzentwicklung von 1.193 Millionen Euro ist es auch dem Unternehmensbereich Röchling Automotive gelungen, seine Ertragskraft im Geschäftsjahr 2025 zu verbessern. Im Mittelpunkt standen die Steigerung der Effizienz, die Stärkung der globalen Wettbewerbsfähigkeit sowie die gezielte Erschließung neuer Marktpotenziale. Die handelspolitischen Rahmenbedingungen – darunter Zölle und lokale Handelsbeschränkungen – sowie die unstete Entwicklung der Elektromobilität wirkten sich auf Lieferketten und Kostenstrukturen aus.
Im chinesischen Markt bedeutete die schwache Nachfrage von internationalen und lokalen Erstausrüstern (OEMs) die Schließung des Standorts in Chengdu. In Europa reagierte das Unternehmen mit der Integration von Röchling Precision Components, um Synergien effizient zu nutzen und den Zugang zu OEMs und 2nd Tier zu stärken.
Mit Investitionen von 42 Millionen Euro – ein Plus von 22,6 Prozent zum Vorjahr – bestätigt der Automobilzulieferer seinen Kurs und treibt die Optimierung seiner globalen Produktionsstruktur voran. Die Zahl der Mitarbeitenden sinkt um 350 auf 5.383, davon 67 in Ausbildung. „Die Anpassung des Unternehmensbereichs Automotive an regional unterschiedliche Herausforderungen zeigt Wirkung.“, fasst Martin Schüler, CEO von Röchling Automotive, zusammen.
Erstes Quartal 2026 und Ausblick
Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Röchling Automotive mit einem Umsatz von 293 Millionen Euro einen positiven Jahresauftakt und knüpfte an die operative Verbesserung des Vorjahres an. Das Marktumfeld bleibt herausfordernd: Neben Unsicherheiten im internationalen Handel wirken sich die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten auf Lieferketten aus und führen zu steigenden Material- und Logistikkosten.
Vor diesem Hintergrund setzt die Automotive-Division ihre strategische Weiterentwicklung fort. Fokus liegt auf dem Ausbau internationaler Partnerschaften und gezielter Positionierung in Wachstumsmärkten, um die globale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
„Wir richten unseren Blick nach vorn und konzentrieren uns darauf, unsere Stärken in Wachstum umzusetzen, unsere internationale Aufstellung zu schärfen und neue Impulse zu setzen. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Prozesse und Strukturen weiter, um die operative Exzellenz nachhaltig zu steigern“, sagt Schüler.
Röchling Industrial: Beweist Stärke unter Druck - Umsatz leicht über Vorjahr
Röchling Industrial blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds steigerte der Unternehmensbereich Umsatz und Ergebnis und konnte seine strategischen Wachstumsfelder weiter stärken. Mit einem Umsatz von 1.138 Millionen Euro lag Röchling Industrial 1,4 Prozent über dem Vorjahr.
Das Marktumfeld blieb insbesondere bei den thermoplastischen Halbzeugen von intensivem Wettbewerb, Preisdruck und schwacher Nachfrage geprägt. Nach einem soliden ersten Halbjahr führten eine zurückhaltende Orderpolitik der Händler und sinkende Marktpreise zu einer rückläufigen Geschäftsdynamik. Das Projektgeschäft zeigte dagegen eine gute Entwicklung. Sehr positiv verlief das Geschäft im Bereich Composites, getragen von einer starken Nachfrage aus dem Transportwesen sowie dem Energiesektor und durch Investitionen globaler Erstausrüster. Auch die Produktlinie der Fertigteile verzeichnete Zuwächse, insbesondere in den Segmenten Gesundheitswesen und Elektronik.
Röchling Industrial investierte 2025 rund 61 Millionen Euro in Sachanlagen. Die Investitionen flossen unter anderem in technische Verbesserungen und Produktionsanlagen, den Ausbau des Sustainability Centers in Geeste-Dalum/Deutschland sowie die Erweiterung des 2024 gegründeten Werks in Nanjing/China. Zum Jahresende beschäftigte Röchling Industrial 4.769 Mitarbeitende, 146 mehr als im Vorjahr. Mit 175 Auszubildenden bleibt die Nachwuchsförderung ein zentraler Baustein.
„Auch in einem herausfordernden Marktumfeld ist es uns gelungen, unsere Position zu festigen und ein sehr gutes Ergebnis zu erreichen. Durch gezielte Investitionen und mit klarer strategischer Richtung haben wir wichtige Voraussetzungen für weiteres profitables Wachstum geschaffen. Wir haben noch viel vor!“, so Raphael Wolfram, CEO Röchling Industrial und Sprecher des Vorstands der Röchling-Gruppe.
Erstes Quartal 2026 und Ausblick
Wachstumstreiber bleiben zu Jahresbeginn 2026 erneut die Geschäftsbereiche Composites und Fertigteile, getragen von einer weiterhin hohen Nachfrage aus dem Energiesektor. Trotz anhaltend hohem Wettbewerbsdruck starteten auch die Thermoplaste und Halbzeuge zunächst stark ins erste Quartal, bevor die Auseinandersetzungen im mittleren osten zu einer äußerst hohen Dynamik in den globalen Energie- und Rohstoffmärkten führten.
„Gerade in einem anspruchsvollen Umfeld kommt es darauf an, vorausschauend zu handeln, Chancen zu nutzen und Ideen in tragfähige Lösungen zu überführen - kurzum seine Resilienz als Unternehmen unter Beweis zu stellen. Wir blicken bei allen Herausforderungen zuversichtlich auf den weiteren Jahresverlauf und bereiten uns gleichwohl intern auf ungewisse Unwägbarkeiten vor. Der Fokus liegt darauf, unsere Marktposition weiter auszubauen, das Composite-Geschäft gezielt zu stärken sowie die Internationalisierung und Local-for-Local-Strategie konsequent voranzutreiben.“, betont Raphael Wolfram.
Röchling Medical: Angespannte geopolitische Lage bremst Geschäftsentwicklung
Röchling Medical sieht sich 2025 ebenfalls mit einem von hoher Unsicherheit geprägten Marktumfeld konfrontiert. Vor diesem Hintergrund verzeichnet das Unternehmen einen Umsatz von 219 Millionen Euro. Die Anzahl der Beschäftigten sank im vergangenen Jahr um 72 Mitarbeitende auf 1.195. Zur Belegschaft zählen 47 Auszubildende. Wie bereits im Vorjahr lag der Investitionsschwerpunkt mit einem Volumen von 10 Millionen Euro auf dem Ausbau der Automation und Maschinenausstattung.
„Die negative Umsatzentwicklung geht auf eine deutlich geringere Investitionsbereitschaft auf Kundenseite zurück“, erklärt Dr. Daniel Bühler, CEO von Röchling Medical. „Zur gleichen Zeit kommen wir mit der Professionalisierung des Teilbereichs sehr gut voran. Die Geschäftsentwicklung muss nun trotz anspruchsvoller Wirtschaftslage nachziehen.“
Insbesondere die wechselhafte US-Handelspolitik, in Kraft gesetzte Zölle auf pharmazeutische Produkte sowie angekündigte Zölle auf Medizinprodukte erhöhten die Kostenunsicherheit entlang der Wertschöpfungsketten und verzögerten Investitionsentscheidungen. Gleichzeitig dämpften regulatorische Unsicherheiten und ein branchenweiter Personalabbau bei OEMs die Zahl neuer Produktzulassungen und Entwicklungsprojekte. Dies war insbesondere in den USA der Fall.
Eine ursprünglich erwartete Markterholung im zweiten Halbjahr 2025 trat nicht ein; vielmehr blieben die für Röchling Medical relevanten Märkte über weite Teile des Jahres unter Druck.
Erstes Quartal 2026 und Ausblick
Der Umsatz für das erste Quartal bleibt mit 15 Prozent wie erwartet unter Vorjahresniveau und erreicht fast die Planwerte. Das Ergebnis begründet sich neben der angespannten wirtschaftlichen Lage in dem ausgelaufenen Auftrag für ein Diagnostik-Produkt am Standort Rochester sowie der internen Verlagerung der Mess- und Regeltechnik am Standort Waldachtal und Eingliederung ins Industrie-Geschäft.
Im weiterhin anspruchsvollen Umfeld mit geopolitischen Unsicherheiten und steigenden Energie- und Rohstoffpreisen rechnet die Sparte mit einer verhaltenen Nachfrage, die die Erholung im Diagnostik- und Pharmamarkt ausbremst. Zudem dämpfen anstehende Patentabläufe die Umsatzerwartungen der großen Pharmaunternehmen.
Positiver stellt sich die Situation im MedTech-Umfeld dar: Laut Prognosen zeichnet sich bis 2029 ein moderates Wachstum ab, da sich eingeleitete Umstrukturierungen und Effizienzprogramme der letzten Jahre auszahlen. „Wir blicken an unseren MedTech-Standorten in Deutschland und USA zuversichtlich auf die Auftragslage“, so Bühler.

